Heimaturlaub. Unbedingt!

 

Ach ja, in diesen zähen, nicht enden wollenden Coronazeiten sind wir ja inzwischen schon für kleinste Hoffnungsschimmer dankbar. Heute Morgen lese ich in der Süddeutschen Zeitung, dass der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung Sommerurlaub »für möglich« hält. Immerhin. Thomas Bareis sprach sich für vorsichtige Lockerungen bei der geltenden weltweiten Reisewarnung aus. »Große Fernreisen werden in diesem Jahr eher ausfallen. Es steht für viele Heimaturlaub auf dem Programm. Ich gehe davon aus, dass das möglich sein wird, hoffentlich auch schon im Sommer.« Klar, dazu brauche es klare Regeln, Abstand, regelmäßige Desinfektion, Tests für Personal und so.

 

Vor ein paar Tagen hatte Bundesaußenminister Heiko Maas in einem Interview mit der ARD die Hoffnung auf Urlaub ja noch weitgehend zunichtegemacht. Dieser »pauschale Abgesang auf den Sommerurlaub« – wie Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV), die wenig maßvolle Einschätzung erbost kritisierte –, entzündete hierzulande eine heftige, eine wütende Diskussion.

Denn Urlaub, besonders der Sommerurlaub, ist den Deutschen nun mal heilig. Auch in diesen Coronazeiten.

Jetzt also doch ein klein wenig Hoffnung, dass demnächst vielleicht noch was geht – wenigstens Urlaub in der Heimat.

Wenigstens Heimaturlaub?

Kurz nachdem WANDERBARES Deutschland 2020  auf dem Markt war, hörte ich ein ums andere Mal von Lesern (so, oder so ähnlich): »Gratulation, für Ihre neue Ausgabe haben Sie einen Orden verdient«. Na ja, bleiben wir bescheiden, aber mit der Titelgeschichte »Wandern. Erleben. Heimatgenuss« (die drei Wochen vor der Coronakrise in Druck ging) haben wir thematisiert, was jetzt, in diesen tristen Coronazeiten, allerwärts zu einem großen Thema geworden ist. Die Lust auf Heimaturlaub. Diese Sehnsucht, das eigene Land zu erkunden. Es gibt schließlich so viel Schönes um uns herum zu entdecken. Und ist dafür nicht das Wandertempo ideal?

 

Heimaturlaub – auch ökonomisch betrachtet wäre es so wichtig, wenn da in den nächsten Wochen und Monaten möglichst viel geht. Rund 70.000 Hotel- und Gastronomiebetriebe sollen aktuell laut Deutschem Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) wirtschaftlich bedroht sein. Den bundesweit etwa 223.000 Betrieben gingen bis Ende April schon rund zehn Milliarden Euro Umsatz verloren. Laut einer DIHK-Umfrage ist rund ein Viertel der touristischen Betriebe trotz Soforthilfen und KfW-Kredite akut von der Insolvenz bedroht. Bis zu 71 Prozent der Betriebe des Gastgewerbes und der Reisewirtschaft rechnen mindestens mit einer Halbierung ihrer Umsätze.

»Tourismus nach Corona: Krisengewinnler Deutschland?« Im Branchendienst »TourismusNews Deutschland« nannte der Experte Christian Leetz, worauf es ankommt: ein verändertes Reiseverhalten und ein gutes Timing. Und natürlich müsse die Infrastruktur erhalten bleiben.

 

Ach ja, Wanderabenteuer in der Heimat. Davon hatte ich letztes Jahr reichlich. Längere Recherchen führten mich u. a. in die Seelenorte des Sauerlandes und in die Region Saar-Hunsrück mit seinen 111 Traumschleifen, in die Fränkische Schweiz (»Ausflug in die Gemütlichkeit«), den Bliesgau (Saarland) und auf den Harzer Grenzweg (»Grenzenloses Erlebnis«) – und jedes Mal kehrte ich beglückt zurück. 

Beglückt? Stimmt, das ist ein großes Wort. Aber wie will man besser beschreiben, wenn unterwegs neue, spannende Erfahrungen winken und es zu überraschenden, wunderbaren Begegnungen kommt. Wie mit den Erzählpaten, die mit mir in Brilon, Willingen-Usseln oder Kohlhagen zu besonderen Orte wanderten, und erzählten, was ihre Heimat Sauerland so besonders macht. Wie in Gehlweiler im Hunsrück, wo das Filmepos HEIMAT (Edgar Reitz) entstanden ist und engagierte Heimatführer alte Zeiten wieder aufleben lassen. Wie im urigen Baybachtal, wo die eindrucksvolle Wanderung in einem romantischen Hotel, das zurecht unter dem Begriff »Hideway«-Geheimtipp läuft, ihren Höhepunkt fand. Wie in Pretzfeld, wo ein umtriebiger Braumeister und ein renommierter Edelbrenner für einen süffisanten Vormittag sorgten. Wie sich eine resolute Ex-Bürgermeisterin in Sorge im Harz leidenschaftlich für das örtliche Grenzmuseum einsetzt und in Clausthal-Zellerfeld ein sehr bescheiden auftretender Fotograf seit über 40 Jahren den Brocken inszeniert. Im Selbstverlag hat er über sein Sehnsuchtsziel zwei großartige Bücher publiziert (»Der belagerte Berg«; »Der Brocken – ein freier Berg«).

 

Ach, ich könnte hier noch so viele andere Menschen erwähnen, die ich unterwegs getroffen habe, die Faszinierendes zu erzählen hatten ...  und die Sie – wenn Sie wollen – in der aktuellen Ausgabe WANDERBARES Deutschland kennenlernen können.

 

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Kommentare: 6
  • #1

    Ulrich Pramann (Mittwoch, 29 April 2020 12:14)

    Ach so, immer wieder werden wir gefragt: Wo kann ich unter diesen erschwerten Bedingungen (Corona) das Magazin unkompliziert kaufen?
    Hier bei uns. Gehen Sie oben in der Leiste auf WANDERBARES DEUTSCHLAND. Da finden Sie dann unseren SHOP - und können unkompliziert bestellen. Bitte schicken Sie einfach 6 Euro in Briefmarken - und ab geht die Post.

  • #2

    Herbert Walk (Mittwoch, 29 April 2020 16:49)

    Bedingt durch den "Corona Virus" ist dieses Jahr gezwungener Weise für viele Urlaub in Deutschland angesagt. Durch eigene Erfahrung einer Wanderung am Lechweg ist mir bewusst geworden, dass man die Heimat im Urlaub mit anderen Augen betrachtet als im meist stressigen Alltag. Deshalb könnten die Wandervorschläge im Wanderbaren Deutschland für viele eine super Anregung für den nächsten Urlaub sein.

  • #3

    Bernd Füllgrabe (Donnerstag, 30 April 2020 09:49)

    Ich bin ein begeisterter Fan von diesem Magazin. Es stimmt nicht nur das Preis-Leistungsverhältnis. Die Aufmachung ist sehr ansprechend. Die Gliederung sehr übersichtlich. Die Berichte sind umfassend, kurz und aktuell, da sie persönlich recherchiert sind. Sie sind so geschrieben, als würde man das geschilderte selbst erleben. Hinzu kommen die neuesten Angebote aus demm Sektor: Outdoor. Mit Spannung warte ich auf die nächste Ausgabe.

  • #4

    DOC Weingart (Dienstag, 12 Mai 2020 19:12)

    Nature Fitness mit dem Special Wanderbares Deutschland ist ein absolut großartiges Journal, das ich aufs wärmste empfehlen kann.
    Für mich war es die beste Anregung, weil leicht umsetzbar, unser großartiges Heimatland besser kennenzulernen. Übrigens bin ich Fan dieses Journals schon lange vor der Covid Phase.
    Die Beiträge sind perfekt beschrieben und zeigen in der Tat Gegenden in unserem Lande auf, die man einfach mal durchwandern sollte.
    Großer Dank gilt da ganz besonders den Pramanns für ihren Ideenreichtum.

  • #5

    Eduard Nieberle (Donnerstag, 14 Mai 2020 11:19)

    Eigentlich war ich ja immer ein passionierter Radler. Aber: Radtouren können schon mal leicht zur Quälerei werden. Dann haben mich die Magazinmacher von Wanderbares Deutschland zu meiner ersten Mehrtageswanderung inspiriert - eine Ge(h)nusstour mit Freunden auf dem Fränkischen Rotwein Wanderweg. Oh ja, diese Wandertour war eine echt bewegende Erfahrung. Seitdem kann ich dieser langsamen Fortbewegungsart sehr, sehr viel abgewinnen. Und Wandern bietet ja - gerade in diesen Coronazeiten - eine wunderbare Chance, jetzt die Heimat ganz neu zu entdecken. Und hier kommt das Magazin Wanderbares Deutschland wieder ins Spiel: auch die aktuelle Ausgabe bietet eine beeindruckende Fülle an verführerischen Wanderzielen. Mehr noch: die Autoren verstehen es, in mir neue Wanderlust zu wecken - weil ihre Reportagen mitreißend geschrieben sind und bei mir als Leser Sehnsucht und Neugier auslösen. Sauerland? Taubertal? Baybachklamm? Mensch, wäre das nicht auch mal was für mich?

  • #6

    Detlef Vetten (Samstag, 27 Juni 2020 10:55)

    Liebe Macher von "Wanderbares Deutschland",
    das habt Ihr wunderbar hin gekriegt - es ist ein schönes Erlebnis, so ein gelungenes Magazin in die Hand zu bekommen und sich beim Schmökern in guten Gefühlen zu verlieren.
    Noch schöner ist es, das Heft aus der Hand zu legen und sich zu sagen: Corona hin, Corona her - Lesegenuss allein reicht nicht. Und so habt Ihr mich animiert, mich in diesen unruhigen Zeiten durchs Fichtelgebirge treiben zu lassen.
    Es war eine wundervolle Erfahrung: Corona hin, Corona her - alles ist noch da. Die Felsen, die von Riesen durch den Wald gekullert werden. Das Moos an der Wetterseite von steinalten Fichten. Die Stege und Steige, die Bäche und "Berge". Die Menschen in ihrer rustikalen Freundlichkeit. Und wahrscheinlich sind da auch noch das Gold, das geschürft, und irgendwo ein sagenhafter Schatz, der gehoben werden kann.
    Alles noch da. Alles vor der Haustür. Man muss nur raus!